18.06.2010, 16:33 Uhr | dpa
Die Comeback-Experten aus den USA haben im letzten Moment das drohende Vorrunden-Aus bei der WM abgewendet und dürfen nun wie Gruppengegner Slowenien weiter auf das Achtelfinale hoffen. Das Spiel der Gruppe C in Johannesburg endete 2:2 (0:2). Wie schon gegen England holten die US-Boys vor 45.573 Zuschauern im Ellis Park gegen Slowenien einen Rückstand auf. Das nicht gegebene Tor der US-Amerikaner, die in der 85. Minute noch den Führungstreffer erzielten, war regulär. (Im Überblick: Spielplan der Gruppe C)
Nach dem 0:2 zur Halbzeit steigerten sich die Amerikaner enorm - und wurden belohnt: Ex-Bayern-Profi Landon Donovan (48. Minute) und der Mönchengladbacher Michael Bradley (82.) sicherten dem US-Team das hochverdiente Remis. In der 85. Minute wurde den Amerikanern sogar das 3:2-Siegtor verweigert. Maurice Edu hatte einen Donovan-Freistoß eingeschossen, doch Schiedsrichter Koman Coulibaly (Mali) entschied auf Abseits.
Eine krasse Fehlentscheidung. "Ich habe gemischte Gefühle nach diesem Spiel. Wir lagen zurück, wir sind zurückgekommen und dann wurde uns ein Tor aberkannt", sagte US-Coach Bob Bradley, dessen Sohn den Ausgleich erzielt hatte: "Ich weiß nicht, warum der Schiedsrichter das abgepfiffen hat."
Die DFB-Elf muss ums Achtelfinale bangen. Die Fans sind enttäuscht, aber optimistisch. zum Video
Zuvor stand das kleinste WM-Land schon fast im Achtelfinale. Valter Birsa (13.) und Zlatan Ljubijankic (42.) hatten die couragierten Slowenen noch vor der Pause verdient in Führung gebracht. Doch die US-Boys steckten nie auf: Wie beim 1:1 gegen England holte die Mannschaft von Coach Bob Bradley einen Rückstand noch auf und erkämpfte zumindest den zweiten WM-Punkt. "Ich bin stolz auf unsere Jungs, es hätte nicht viele Mannschaften gegeben, die so einen Rückstand aufgeholt hätten. Wir leben noch, wir haben sehr gute Chancen auf das Achtelfinale", sagte Torschütze Donovan.
Fünf Tage nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen Algerien boten die hochmotivierten Slowenen erneut eine couragierte Leistung. Auch FIFA-Boss Joseph Blatter und UEFA-Präsident Michel Platini kamen als Stadion-Gäste voll auf ihre Kosten. Hektik und Rudelbildung schon nach 20 Sekunden: Clint Dempsey traf Ljubijankic beim Luftduell unglücklich am Kopf. Schiedsrichter Koman Coulibaly aus Mali brauchte fast zwei Minuten, um die Hitzköpfe zu beruhigen.
Vor allem die US-Boys mit den beiden Bundesliga-Legionären Bradley und Steven Cherundolo (Hannover) waren nach dem 1:1 gegen England heiß. Keeper Tim Howard wollte trotz seiner schmerzhaften Rippenblessur unbedingt spielen. Doch beim feinen Schlenzer von Birsa mit links aus gut 20 Metern konnte der Keeper dem Ball nur noch verdutzt hinterherschauen. Zuvor hatte der engagierte Kölner Milivoje Novakovic eine Flanke von Birsa verpasst (9.).
In ihren Auftaktspielen hatten beide Teams noch von gegnerischen Torwartfehlern profitiert. Diesmal brauchte Birsa, Mittelfeldspieler vom französischen Klub AJ Auxerre, keine fremde Hilfe. Das Tor war einfach stark! Und das Spiel auch: Aufs Tempo drückten vor allem die Amerikaner: Torres zog einen Freistoß aufs kurze Eck, der überragende Samir Handanovic parierte zum ersten Mal glänzend. Das 1:1 lag in der Luft, doch die Slowenen verteidigten mit Glück und Geschick.
Mitten in die Drangperiode der Bradley-Elf fiel das 2:0 nach einem mustergültigen Konter. Dieses Tor war gleich zwei kollegiale Kölsch wert, denn nach Doppel-Vorarbeit der Kölner Miso Brecko und Novakovic schloss Ljubijankic die herrliche Kombination perfekt ab: Gegen seinen Rechtsschuss aus sieben Metern ins lange Eck hatte Howard keine Chance.
Bob Bradley musste nach dem 0:2 reagieren. Der US-Coach brachte zur Halbzeit den früheren HSV-Profi Benny Feilhaber und Maurice Edu - doch das Anschlusstor machte der frühere Bayern-Profi Donovan: Nach schwerem Patzer von Sloweniens Innenverteidiger Bostjan Cesar hämmerte der Mann von den Los Angeles Galaxy die Kugel mit roher Gewalt ins kurze Eck. Da konnte Keeper Handanovic nur noch in Deckung gehen. Donovan war ein Aktivposten im US-Team, bei Slowenien ragten Torschütze Birsa und Aleksander Radoslavljevic heraus.
Quelle: dpa
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