24.06.2010, 16:14 Uhr | dpa
Aus und vorbei: Der Weltmeister scheitert sensationell früh. (Foto: Reuters)
Die WM hat ihre erste ganz große Sensation: Der (noch bis zum 11. Juli) amtierende Weltmeister Italienmuss bereits nach der Gruppenphase die Koffer packen.Die Italiener unterlagen der Slowakei in einer hochdramatischen Partie mit 2:3 (0:1). Held des Tages für den Außenseiter war Robert Vittek, der doppelt traf (25., 73.). Antonio di Natale konnte verkürzen (80.), aber Kamil Kopunek schlug in der 89. Minute zurück. Das zweite italienische Tor durch Fabio Quagliarella in der Nachspielzeit kam zu spät. Damit ziehen die Slowaken und Paraguay ins Achtelfinale ein. Paraguay reichte ein 0.0 gegen Neuseeland zum Gruppensieg.
Das Vorrunden-Aus, als Letzter der Gruppe F, bedeutet auch das Ende einer Ära. Italiens Weltmeister-Coach Marcello Lippi wird sein Amt nach der Heimkehr an Cesare Prandelli übergeben, der bis zur WM 2014 eine neue Squadra Azzurra formen muss. Auch Kapitän Fabio Cannavaro und Mittelfeld-Renner Gennaro Gattuso treten von der Nationalmannschafts-Bühne ab.
Nach den enttäuschenden Auftritten gegen Paraguay (1:1) und Neuseeland (1:1) stellte Lippi um. An der Seite von Vincenzo Iaquinta und Simone Pepe stürmte di Natale, doch mehr Durchschlagskraft entwickelten die Italiener dadurch nicht. Der WM-Neuling nahm dagegen sein Herz in beide Hände und spielte von Beginn an munter nach vorn. Marek Hamsik bot sich in der sechsten Minute die erste Chance, doch der Kapitän zielte bei seinem Direktschuss zu ungenau.
Italien wirkte lethargisch, fast leblos. Fehlerhaft in der Abwehr, ideenlos im Mittelfeld und harmlos im Angriff: Der viermalige Weltmeister war nur ein Schatten seiner selbst. Die verletzte Torwart-Legende Gianluigi Buffon erfasste auf der Bank ein ums andere Mal das blanke Grausen, und auch Lippi raufte sich an der Seitenlinie mehrmals ratlos die Haare.
Die Anhänger der Squadra Azzurra hadern mit dem Vorrundenaus ihrer Elf. zum Video
Das Führungstor für die Slowakei war symptomatisch für die erste Halbzeit. Daniele de Rossi spielte am eigenen Strafraum einen katastrophalen Fehlpass in die Beine von Juraj Kucka, dessen Zuspiel Vittek eiskalt verwandelte. Mit einem Flachschuss ins lange Eck ließ der frühere Nürnberger Buffon-Ersatz Federico Marchetti keine Chance und erzielte sein zweites WM-Tor. Der Treffer verlieh dem Außenseiter zusätzlich Flügel. Einen Fernschuss von Zdeno Strba aus 35 Metern konnte Marchetti nur mit Mühe zur Ecke abwehren, ein Versuch von Kucka aus ähnlicher Distanz landete am Außennetz. Auch für Italiens einzige Chance in der ersten Hälfte zeichneten die Slowaken verantwortlich: Martin Skrtel traf per Kopf fast ins eigene Netz (40.).
Lippi reagierte in der Pause und brachte zum zweiten Durchgang in Quagliarella eine weitere Offensivkraft. Am Spielverlauf änderte sich dadurch zunächst kaum etwas. Bis auf einen Kopfball von Iaquinta, der weit vorbeiging, hatten die Italiener wenig zu bieten. Auch di Natale traf in der 55. Minute das Tor nicht. Kurz darauf bejubelten die Tifosi das Comeback von Spielmacher Andrea Pirlo, der in den ersten beiden WM-Partien wegen einer Wadenzerrung fehlte.
Für Gefahr sorgte zunächst wieder di Natale (62.), bei dessen Schuss Jan Mucha nachfassen musste. Die größte Ausgleichschance vereitelte Skrtel (68.), als er einen Quagliarella-Schuss mit dem Knie von der Linie kratzte. Für die Slowaken vergab Miroslav Stoch bei einem Konter das 2:0, für das wenig später Vittek per Direktabnahme sorgte. In der Schlussphase überschlugen sich nach di Natales Anschluss die Ereignisse. Der slowakische Torhüter Mucha sah nach einem Schlag gegen Quagliarella nur Gelb, dann erzielte dieser ein Abseitstor. Danach versenkte Kopunek einen Konter, ehe Quagliarella in der Nachspielzeit wieder verkürzte. Doch es reichte nicht mehr und nach Schlusspfiff versank Italien in einem See voller Tränen.
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Sensation: Nach der Niederlage gegen die Slowakei scheitert Italien bereits in der Vorrunde. zum Video
Quelle: dpa
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