11.07.2008, 07:33 Uhr
DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger (Foto: imago)DFB-Präsident Theo Zwanziger erteilte in einem Interview der Kölner Tageszeitung "Express" einer dritten Fußball-WM der Männer in Deutschland nach 1974 und 2006 eine vorläufige Absage. "Wir haben nicht die Absicht, 2010 wieder eine Weltmeisterschaft auszurichten. Unser Land steht auch dann grundsätzlich nicht bereit, wenn die Probleme in Südafrika nicht rechtzeitig gelöst werden können."
Damit unterstrich der 63-Jährige nochmals die Haltung des DFB, dessen Generalsekretär Wolfgang Niersbach schon vor Monaten einen Ersatz-Ausrichter Deutschland ausgeschlossen hatte. "Wir richten ja auch schon die Frauen-WM 2011 aus. Da müsste sich die FIFA für 2010 wirklich ein anderes Land suchen", so Zwanziger.
FIFABlatter findet drei Alternativen zu Südafrika
"Wir wären ja mit dem nassen Handtuch geschlagen, wenn wir versuchen würden, das fantastische Sommermärchen von 2006 zu wiederholen", konterte der DFB-Chef einen entsprechenden Vorstoß des FIFA-Bosses Sepp Blatter. Zuvor hatte DFB-Sprecher Harald Stenger versichert: "Herr Blatter hatte bisher keinen Kontakt mit dem DFB in dieser Angelegenheit und hat uns auch nicht über seinen Vorstoß informiert."
In Südafrika, wo Blatters Äußerungen vorübergehend die Nachrichten beherrschten, reagierte das Nationale Organisationskomitee überrascht. OK-Sprecher Tim Modise sagte: "Der Vorstand wird den FIFA-Präsidenten um Klarheit bitten und fragen, was er konkret gemeint hat. Sein Generalsekretär Jerome Valcke hat noch gestern erklärt, dass er mit dem Stand der Vorbereitungen zufrieden sei."
Die Zweifel an der ersten WM auf afrikanischem Boden hatten tags zuvor neue Nahrung erhalten, nachdem die Organisatoren den Stadionneubau in Port Elizabeth als Austragungsort für den Confederations Cup 2009 gestrichen hatten. Sie gingen davon aus, dass die Arena nach der gesetzten Frist Ende März fertig gestellt würde - was die städtischen Bauherren allerdings bestreiten. Blatter hatte stets betont, dass das Turnier ein Jahr vor der WM der Moment der Wahrheit für Südafrika sein werde. Sollte die WM-Generalprobe misslingen, könnten Alternativpläne aus der Schublade kommen.
Valcke hatte vor einer allzu skeptischen Sicht auf Südafrikas Eignung als WM-Gastland gewarnt. Bei einem Medientreffen hatte er dem Kap-Staat bescheinigt, im Zeitplan zu liegen, aber noch mehr Anstrengungen bei der internationalen Vermarktung unternehmen zu müssen. Ein Alternativplan wie von Blatter angesprochen käme nur zum Tragen, wenn Südafrika von einer größeren Naturkatastrophe betroffen wäre. Das sei 2003 passiert, als die Sars-Epidemie in China die FIFA zur Verlegung der Damen-Fußball-WM in die USA gezwungen habe.
Wörtlich sagte Valcke: "Nur so eine Art von Katastrophe würde die FIFA in Sachen Südafrika zu einer Nothandlung zwingen. Man muss sich vergegenwärtigen, dass die FIFA rund 20 Weltmeisterschaften in vier Jahren organisiert und das Hauptereignis die WM im Männer-Fußball ist, das all die anderen Veranstaltungen subventioniert. Da können wir nichts riskieren." Er wisse sehr wohl, welches Land als Alternative in Frage käme. Valcke: "Es gibt nur zwei Leute bei der FIFA, die den Namen des Landes kennen. Der eine ist der Präsident (Sepp Blatter), und der andere bin ich." Er werde aber nichts sagen.
Quelle: dpa , sid
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