19.10.2009, 17:28 Uhr
In Südafrika geschasst: Trainer Santana. (Foto: imago)Südafrika hat 235 Tage vor Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land die Notbremse gezogen. Nach blamablen Niederlagen gegen Teams wie Island oder Malawi feuerte der Verband SAFA seinen Nationaltrainer Joel Santana.
Der 60-jährige Brasilianer hatte noch vor wenigen Tagen bei seiner Rückkehr nach Johannesburg schnippisch ins Reporter-Mikrofon erklärt: "Ich bin nicht eingestellt worden um Freundschaftsspiele zu gewinnen, sondern um das Team auf die WM vorzubereiten." Ein Satz, der bei seinen Gönnern innerhalb der SAFA auch die letzten Sympathien zerstörte.
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In der Rückschau kam mancher Beobachter ins Grübeln, wieso sich das Nationalteam Bafana Bafana bei der WM-Generalprobe - dem Confederations Cup im Juni - so lange halten konnte. Das erstaunlich starke Auftreten des zuvor wegen mäßiger Leistungen von den eigenen Fans belächelten Teams hatte wie ein Motivationsschub für die wunde Seele der Nation gewirkt. Gegen Brasilien nur mit 0:1 zu verlieren kam einer Art Ritterschlag gleich. "Unser Fußball war schön anzusehen", hatte ein stolzer Santana erklärt. Nun werfen Anrufer im Rundfunk bereits die Frage auf, ob die Brasilianer damals eventuell nur mit halber Kraft gespielt haben, um ihrem bedrängten Landsmann zu helfen.
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Schon vor Tagen hatte es Medienspekulationen um eine erneute Verpflichtung des im April 2008 als Nationaltrainer zurückgetretenen Brasilianers Carlos Parreira gegeben. Die südafrikanische Zeitung "Sowetan" hatte einen ungenannten SAFA-Manager mit den Worten zitiert: "Ich habe ihn vergangene Woche gesprochen und er ist sehr willig, Bafana Bafana erneut zu helfen." Doch SAFA-Präsident Kirsten Nematandani hatte betont, man habe zumindest kurzfristig dafür keine Pläne. Er hatte sich auch dafür stark gemacht, dem Brasilianer noch eine letzte Chance zu geben und ihm einen dreiköpfigen Beraterstab zur Seite gestellt.
Warum dann aus heiterem Himmel auf einer extrem kurzfristig angesetzten Pressekonferenz Santanas Ablösung verkündet wurde, ist unklar. Doch Nematandis eigene Position ist seit seiner Wahl am 26. September gefährdet. Durch die SAFA geht ein Riss, seit er als Kompromisskandidat erfolgreich das Präsidentenamt für sich reklamiert hat. Eine Gruppe von Abweichlern sieht seine Wahl als illegal an und hat ein Schlichtungsgespräch gefordert.
Beobachter sehen jetzt die Chance für eine Rückkehr Parreiras. Der war 15 Monate südafrikanischer Nationaltrainer und aus privaten Gründen - seine in Brasilien lebende Frau war damals schwer erkrankt - im April 2008 von Landsmann Santana abgelöst worden. Parreira war erst vor kurzem von dem in die Abstiegszone geratenen brasilianischen Erstligisten Fluminense entlassen worden, nachdem der Klub die fünfte Niederlage in Serie kassiert hatte. Als Nationaltrainer hatte er Brasilien 1994 zur Weltmeisterschaft geführt und war erst im März zu Fluminense zurückgekehrt. Zuvor hatte er dreimal den Klub aus der Millionen-Metropole trainiert.
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Quelle: sid , dpa
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