18.08.2008, 14:53 Uhr
Torwarttrainer Andreas Köpke (l.) und Robert Enke bei der DFB-PK. (Foto: dpa)Beim ersten großen Karten-Mischen nach der EM halten Robert Enke und Heiko Westermann die besten Trümpfe in der Hand. Nach den Absagen von Michael Ballack und Torsten Frings sowie weiterer Stammkräfte erklärte Bundestrainer Joachim Löw das Test-Länderspiel gegen Belgien kurzerhand zu einem weiteren Casting um die begehrten Plätze im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft.
Enke und Westermann bekamen dafür eine Einsatz-Garantie. "Das Spiel steht jetzt unter dem Zeichen, dass einige Spieler in Nürnbergeine Chance bekommen, die hinten dranstehen", sagte Löw.
Im Porträt Robert Enke
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TorwartfrageJens Lehmann zurückgetreten
Für den 30 Jahre alten Enke könnte die Partie am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im t-online.de-Live-Ticker) sogar zum ersten Schritt werden, auf Dauer Jens Lehmann im Nationaltor als Nummer eins zu beerben. "Wenn ich die Chance habe, zwei, drei Spiele am Stück zu machen, muss man die nutzen", betonte der Schlussmann, der bei der EM Nummer zwei war. Da Enkes derzeit schärfster Rivale um den Stammplatz im DFB-Team, der Leverkusener René Adler, nach einer Schulter-Operation noch einige Wochen ausfallen wird, dürfte nach derzeitigem Stand Enke Anfang September in Liechtenstein und Finnland auch in die WM-Qualifikation starten. "Er hat es jetzt selbst in der Hand, mit Leistungen zu überzeugen", erklärte Torwart-Coach Andreas Köpke.
"Wir haben in Moment einen offenen Konkurrenzkampf. Die Tür ist für alle auf", sagte Köpke und meinte damit auch den vor der EM aussortierten Timo Hildebrand. "Wir haben ihn nicht für das Belgien-Spiel nominiert, weil es noch einige Sachen zu besprechen gibt", erklärte der Europameister von 1996, "uns haben einige Aussagen und Interviews von ihm nicht gefallen." Köpke kündigte ein zeitnahes Gespräch mit dem Schlussmann des FC Valencia an.
Der Bundestorwarttrainer betonte zudem noch einmal, dass Enke und Adler durch ihre guten Leistungen im Training während der EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz "zurzeit einen kleinen Bonus haben". Aber auch der Schalker Manuel Neuer zähle nach wie vor zum Kandidatenkreis. Bayern-Torwart Michael Rensing, der auch auf der Liste stehe, müsse sich dagegen noch gedulden: "Wir würden ihm keinen Gefallen tun, er soll sich erst mal bei den Bayern durchsetzen, dann wird er von selbst ein Thema", sagte Köpke, der aber nicht ausschloss, dass in der Zukunft das ein oder andere bislang noch unbekannte Gesicht eine Chance bekommt.
Absage Frings meldet sich bei Löw telefonisch ab
"Auf der einen Seite wäre ich natürlich froh, wenn ich die gesamte Mannschaft zur Verfügung hätte. Andererseits können wir etwas ausprobieren", merkte Löw mit dem Hinweis darauf an, dass auch auf dem langen Weg zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika der eine oder andere Stammspieler einmal fehlen könnte. Vor der Trainingseinheit am Montag in Herzogenaurach machte der Bundestrainer seinem reduzierten Personal noch auf dem Platz deutlich, was er erwartet. "Die EM ist abgehakt. Wir müssen nach vorn spielen, Tempofußball zeigen", erklärte Löw den 17 Spielern, die beim morgendlichen Üben dabei waren. Christoph Metzelder von Real Madrid, der im spanischen Supercup nur auf der Bank gesessen hatte, war erst später angereist.
Neben Ballack, Frings und Adler stehen für das 23. Duell mit Belgien auch die EM-Finalspieler Per Mertesacker und Arne Friedrich beim Aufgalopp in die Spielzeit 2008/09 nicht zur Verfügung. Teammanager Oliver Bierhoff sieht in der personellen Situation nicht unbedingt einen Nachteil: "Manchmal ist es in solchen Spielen auch ein Vorteil, nicht nur mit Etablierten anzutreten." Gerade Profis wie der Schalker Westermann oder der Hamburger Piotr Trochowski, die bei der EM- Endrunde dabei waren, aber keine einzige Minute spielen durften, müssten gegen die Belgier besonders motiviert sein. "Ich sehe es jetzt als neuen Abschnitt", betonte Abwehr-Allrounder Westermann.
Verletzt Ballack ist gegen Belgien nicht dabei
Der Gladbacher Marko Marin und der Neu-Leverkusener Patrick Helmes hatten schon beim EM-Casting auf Mallorca Lust an der DFB-Auswahl bekommen. Neuling Serdar Tasci hofft auf sein Debüt. Und die Stürmer Mario Gomez und Kevin Kuranyi wollen nach persönlich enttäuschendem EM-Verlauf einiges gutmachen. Löw wird wohl von dem "etwas vorsichtigeren" 4-5-1-System wieder auf zwei echte Angreifer umstellen. "Jedes Länderspiel, egal gegen wen, hinterlässt bei den Trainern einen Eindruck", verwies Bierhoff auf die Bedeutung der Mittwoch-Partie für jeden einzelnen Akteur.
Die voraussichtliche Aufstellung: Enke - Fritz, Westermann, Metzelder, Lahm - Schweinsteiger, Rolfes, Hitzlsperger, Podolski - Klose, Gomez
Quelle: t-online.de , dpa , sid
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